Japanausstellung im Horst-Janssen-Museum enttäuscht etwas
Der japanische Farbholzschnitte war nicht nur für Janssen ein wichtiger Anreger, sondern für viele europäische Künstler, vor allem des Impressionismus und des Jugendstils. Die Kunst und das Handwerk Japans, welche im ausgehenden 19. Jahrhundert in Paris bekannt wurden, lösten in Europa Interesse aus. Nach der wirtschaftlichen Öffnung Japans 1858 geraten Holzschnitte, Lackschalen ebenso wie prachtvoll gemusterte Kimonos nach Europa, werden auf den ersten Weltausstellungen präsentiert und sind in der Pariser Gesellschaft binnen kurzer Zeit “en Vogue”.Die Ausstellung “Paris im Japanfieber” will Einflüsse der japanischen Kunst auf die in Paris lebenden Künstler und damit den Beginn der westlichen Moderne wie Edgar Degas, Edouard Manet, Henri de Toulouse-Lautrec oder Felix Vallotton anhand von ausgewählten Werken dokumentieren.
Ein wesentlicher Unterschied zur westlichen Kunst besteht in der Selbstverständlichkeit, mit der die ostasiatischen Künstler überlieferte Formen aufgreifen, während die Parolen der europäischen und auch amerikanischen Kunst “Innovation” und “Unverwechselbarkeit” heißen.
Ich fand die Begegnung mit Japanischen Originalen aus dieser Zeit recht interessant, den strengen Formalismus und die traditionelle Art der Komposition. Das Vorherrschen des Ornamentalen und die Vereinfachung der Motive sind prägend. Die Beispiele für die Einflüsse japanischer Künstler auf die Europäer fand ich aber, abgesehen von einigen Bildern von Degas, wenig überzeugend. Europäer bemühen sich doch zu sehr um den eigenen Stil, als dass sich dem ungeschulten Laien den für Kunsthistoriker offenbar greifbaren Einfluss erschließen würde. Der Ausstellungstext spricht von ausgewählten Beispielen europäischer Kunst, man hatte aber eher den Eindruck, dass einige Bilder zu sehen waren, die man irgendwie kriegen konnte, die aber nicht besonders prägnant waren.
Um 1970 hat Janssen begonnen, sich mit der fernöstlichen Bilderwelt zu befassen. Sein Freund Gerhard Schack hatte ihn dazu angeregt. Neben Originalvorlagen und Tuschfederzeichnungen, die Janssen in Schacks Wohnung studieren konnte, waren vor allem Reproduktionen in Büchern und Ausstellungskatalogen wichtige Inspirationsquellen. So schuf Janssen vor allem in 70er Jahren Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen nach japanischen Künstlern. 50 Arbeiten aus zeigt die Sonderausstellung “Horst Janssen: In japanischer Manier”.
In Janssens Werk hat die Kopie einen hohen Stellenwert. Nach Ansicht des Horst Janssen Museum sind es weniger Kopien, die Janssen fertigt, als mehr oder weniger freie Gestaltungen. Einmal setzt Janssen seinen Kopf an die Stelle des Porträts eines japanischen Glücksgottes, ein andermal übernimmt er den formalen Aufbau einer Zeichnung um seine ganz privaten Assoziationen zu illustrieren. Dennoch sind die Werke die gezeigt werden sehr nahe an der Kopie und oft mit Ausnahmen weniger interessant als die Japanischen Originale.
Insgesamt zeigt die Ausstellung neue Aspekte im Werk Janssens auch wenn einige Werke ein wenig enttäuschen. Die Pflege des Werkes dieses Künstlers finde ich schon wichtig auch wenn mächtige Interessengruppen und die üblichen Sponsoren damit das Kunstgeschehen in Oldenburg dominieren. Leider hat Oldenburg eben wenige Pfunde mit denen man wuchern kann.
Nicht in Ordnung finde ich die einseitige Bevorzugung des Horst Janssen Museum und die finanzielle Austrocknung des Stadtmuseums. Es liegt nicht nur an den Vorlieben der Leitung des Stadtmuseums die stadtgeschichliche Ausstellungen vernachlässigt und recht einseitig die bildende Kunst der Region dominieren lässt, sondern auch an der schlechten finanziellen Ausstattung das dort wenig läuft.
Die Ausstellungen “Horst Janssen: In japanischer Manier” und “Paris im Japanfieber” werden im Horst-Janssen-Museum noch bis zum 20. Januar 2008 gezeigt.
Aktualisiert am 12. Januar 2008




» 1 Kommentar
[Ø 4.44]
Ich muss gestehen, dass mir schon die Malerei von Horst Janssen nicht so liegt und auch mit der Japanausstellung habe ich mich schwer getan. Insgesamt ist das Museum sicherlich ein Plus für Oldenburg, aber mir gefallen die Ausstellungen im Dachgeschoss des Schlosses oft besser (bunte Mischung an Künstlern, Themen, Kunstrichtungen etc.).