» RSS Feed abonnieren
 

Oldenburger Erstaufführung nach fast 100 Jahren

03.11.2008, Beitrag von Roehnert

Der Singverein Oldenburg präsentiert im 188. Jahr seines Bestehens die Vesper op.37 von Sergej Rachmaninow (1873-1943) als Oldenburger Erstaufführung. Am 9. November 2008 um 18 Uhr werden in der Ansgari-Kirche ca. 100 Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Svetlana Gelbard zusammenkommen, um diesen Meilenstein im Repertoire der russisch-orthodoxen Kirche aufzuführen. Eine Premiere ist dabei die Zusammenarbeit mit dem Oldenburger Jugendchor und dem SMC projectkoor aus Oldenburgs Partnerstadt Groningen. Als Solisten konnten Verena Allertz (Alt) und Ihor Salo (Tenor) vom Oldenburgischen Staatstheater gewonnen werden. Unterstützt werden die Chöre bei der Durchführung von der Stadt Oldenburg und dem “Kreis der Freunde des Oldenburger Jugendchores e.V.”. Karten zu 15€/12€ (erm.) sind bei Buch Brader (OL 218660), per email (info@singverein-ol.de) oder telefonisch (OL 55259 oder 41289) erhältlich.

Sergej Rachmaninow wurde 1873 in der Nähe von Nowgorod geboren. Von 1885 bis 1891 studierte er am Moskauer Konservatorium und errang durch die Uraufführung seiner Abschlussarbeit, der Oper “Aleko”, und des Klavierkonzerts Nr.1 einiges Ansehen als Komponist. Der 1. Weltkrieg und die Wirren der Oktoberrevolution zwangen Rachmaninow, Russland 1917 für immer den Rücken zu kehren. Im amerikanischen Exil wurde er zu einem der begehrtesten und bestbezahlten Klaviervirtuosen seiner Zeit. Er verstarb kurz vor seinem 70. Geburtstag an Krebs.

Die Musik der orthodoxen Kirche in Russland war stark von der byzantinischen Liturgie beeinflusst. Die Gesänge wurden als Gebete verstanden und durften daher nicht mit Instrumenten begleitet werden, da diese nicht beten können. Die Hinwendung gen Westen im 18. Jahrhundert brachte einen neuen, mehrstimmigen Kirchenmusikstil, bei dem der alte Cantus firmus (die Melodie) meist im Tenor beibehalten wurde, eingebettet in ein enges Stimmengeflecht. Das große Chorkonzert a cappella wurde zur zentralen Gattung des neuen Stils.

Unter diesem Einfluss komponierte Rachmaninow die Vesper op.37, auch bekannt als “Das Große Abend- und Morgenlob”, im Januar und Februar 1915. Es handelt sich hierbei um Nachtgesänge, die sich auf die russisch-orthodoxe Kloster- und Kirchentradition beziehen, in der vor den großen Sonn- und Feiertags-Gottesdiensten die ganze Nacht über in Gebet und Psalmengesang ausgeharrt wird.
Die Schreibweise der Vesper zeichnet sich u.a. dadurch aus, dass der Chor wie ein Orchester behandelt wird. Hierbei sind besonders die Passagen zu nennen, in denen einzelne Stimmen glockenähnlich erklingen, während andere die traditionellen Melodien virtuos ausschmücken. Diese grandiose und meisterhafte Komposition ist daher ein Meilenstein im Repertoire der russisch-orthodoxen Kirchenmusik.

Der Singverein Oldenburg wurde im Jahr 1821 auf dem Höhepunkt der bürgerlichen Konzertbewegung gegründet. Von zu Beginn 61 Mitgliedern wuchs der Singverein schnell an. Eine Blütezeit erlebte der Verein unter der Leitung des Großherzoglichen Hofkapellmeisters Albert Dietrich von 1861 bis 1890. Dabei trat er im Jahr 1881 in einem Konzert der Hofkapelle mit Dietrichs “Rheinmorgen” erstmals im Großherzoglichen Theater auf.
Durch die anspruchsvolle Programmauswahl und herausragende Aufführungen chorsinfonischer Standardwerke ebenso wie musikalischer Raritäten erfüllte der Singverein nicht nur im Gesellschaftsleben der Stadt Oldenburg eine bedeutende Rolle, sondern verschaffte sich auch über die Grenzen der Stadt hinaus einen guten Ruf. Er ist einer der ältesten Konzertchöre Deutschlands, die im Verband Deutscher KonzertChöre (VDKC) organisiert sind.
Nach dem Ende der Zusammenarbeit mit dem Oldenburgischen Staatstheater im Jahre 1994 konnte der Verein den Chordirektor des Staatstheaters, Herrn Peter Vettermann, als neuen musikalischen Leiter gewinnen. Nachdem sich dieser 2001 in den Ruhestand verabschiedete, übernahm Manfred Klinkebiel die Leitung des Chores. Seit 2007 ist Svetlana Gelbard Leiterin des Singvereins Oldenburg. (www.singverein-ol.de)

Der Oldenburger Jugendchor ist bereits seit mehreren Generationen ein Treffpunkt für musikalisch interessierte Jugendliche der Stadt und des Landkreises Oldenburg. Er wurde im Juli 1945 von Kurt Wiesemann gegründet und bis zu dessen plötzlichem Tod 1953 geleitet. Musikalische Grundlagen bilden primär Werke der a-cappella-Literatur. Er versteht sich als schulübergreifende Ergänzung zu den mittlerweile hochklassigen Schulchören Oldenburgs. Regelmäßige Konzerte in Oldenburg und Umgebung, Konzertreisen innerhalb Deutschlands und in zahlreiche europäische Länder, zu Chorfestivals und zu befreundeten ausländischen Chören gehören zu den herausragenden Ereignissen. Im Jahr 2002 übernahm Svetlana Gelbard als erste Frau die Leitung eines der ältesten Jugendchöre Deutschlands. (www.oldenburger-jugendchor.de)

Der SMC projectkoor Groningen ist Teil der Swing Music Company (SMC). Diese wurde gegründet mit dem Ziel, Laien auf dem höchstmöglichen Niveau musizieren lassen zu können. Der Chor besteht aus ungefähr 30 Sängerinnen und Sängern. Sie alle sind Laien, die eine stattliche Reihe von Aufführungen im Norden des Landes vorweisen können. Die Einstudierung in Groningen hat John Damsma übernommen. Er studierte Cello, Schulmusik und Dirigieren am Groninger Konservatorium. Damsma ist ein gefragtes Jury-Mitglied bei Festivals in Europa.

Die Dirigentin Svetlana Gelbard absolvierte ein Studium in Chorleitung, Gesang und Klavier an der Hochschule für Kultur in Moskau. Es folgte ein Gesangsstudium an der Musikhochschule Stuttgart und Privatstudien bei Eva Sava. Mit dem von ihr 1991 gegründeten Kammerchor “Swetotsch” errang sie 1994 den ersten Preis beim Chorwettbewerb in Riva del Garda.

Aktualisiert am 3. November 2008

[Ø 3.67]
Diesen Beitrag per E-Mail versenden Beitrag ausdrucken Kommentieren   » Kommentieren
Lokale Anzeigen
Werbung

Kommentieren zu “Oldenburger Erstaufführung nach fast 100 Jahren”

Schreibe einen Kommentar

Bitte füllen Sie das Kommentar-Formular möglichst vollständig aus. Die mit einem Stern gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

Netiquette
Bei der Kommentarabgabe ist die in Blogs, Foren und auch bei Newsgroups übliche Netiquette zu wahren. Sie kommunizieren hier mit anderen Menschen, daher bitten wir Sie von Beleidigungen, Beschimpfungen oder ähnlichem abzusehen. Bei Missachtung der Netiquette muss mit Ermahnung bzw. Löschung des Kommentars seitens der Ansprechpartner gerechnet werden. Als "erzieherische" Maßnahme kann ebenso die Möglichkeit Kommentare abzugeben abgeschaltet werden.
 
Seite drucken zum Seitenanfang
Viagra | Adderall | Viagra Online | Levitra | Free Viagra | Cheap Viagra