Kino in Oldenburg - Ein virtuelle Reise von 1896 bis Heute
Werkstattfilm e.V. bietet eine neue Präsentationsreihe “Fokus Oldenburg” an, in der ausgewählte Ausschnitte des umfangreichen Archivmaterials zu einem Themenschwerpunkt den Besuchern präsentiert werden. Thema im März und April ist “Kino in Oldenburg“.Ende 1895 ging für die Brüder Lumiére ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Den beiden war es gelungen, Photographien in Lebensgröße auf eine Leinwand zu projizieren und in Bewegung zu versetzen und damit in Paris Tausende zu begeistern. Nur ein Jahr später, am 8.12.1896, konnten die Oldenburger erstmals von einem Wanderkinobetreiber vorgeführte “Lebendige Photographien” in der Markthalle bewundern.
Von Anfang an war der Film ein Massenmedium. Reisende Filmvorführer zogen mit ihren Wanderkinos von Jahrmarkt zu Jahrmarkt und füllten die Zelte mit Zuschauern. Auch auf dem Oldenburger Kramermarkt fanden diese Vorstellungen statt. Zunächst wurde das Kino allerdings auch mit Argwohn betrachtet. So galt es lange Zeit als anspruchsloses Mittel, um die Unterschicht zu unterhalten, Kinos wurden in umgebauten “Ladenkinos” untergebracht. Erst mit der Errichtung von prachtvollen Filmtheatern wandelte sich das Image. Ein prägnantes Beispiel ist das 1914 errichtete Wall-Kino am Heiligengeistwall in Oldenburg.
Kino wurde zu einem Phänomen, das alle Gesellschaftsschichten gleichermaßen faszinierte. Das gemeinschaftliche Erleben dieser fortwährend weiterentwickelten Erfindung stand im Vordergrund, was allerdings auch dazu führte, dass der Kinosaal als Ort der politischen Agitation missbraucht wurde. Sehr gezielt bedienten sich die Nationalsozialisten dieses Mediums, um die Bevölkerung zu beeinflussen. Auch im Oldenburger Kinoprogramm zeigte sich während des Nationalsozialismus eine deutliche propagandistische Färbung der ausgewählten Filme.
Kino war auch nach dem zweiten Weltkrieg ein integraler Bestandteil des kulturellen Lebens und erfüllte verschiedene Funktionen. Der Alltag blieb in wirtschaftlich schwierigen Zeiten vor der Tür des Kinos. Man tauchte ein in das Dunkel des Saals und vergaß für kurze Zeit das Draußen. Auf der Leinwand flimmerten Bilder ferner Welten, Kinohelden wurden geboren und man trauerte, lachte und freute sich mit ihnen. Der Siegeszug des Kinos wurde schließlich durch ein anderes Massenmedium aufgehalten: dem Fernsehen. Mit dessen Verbreitung begann das Kinosterben Ende der sechziger Jahre. Stadtteilkinos wurden geschlossen, die großen Filmpaläste wurden in kleinere Säle unterteilt und es entstanden die berüchtigten Schachtelkinos.
Unsere virtuelle Reise soll dem Kinopublikum zeigen, dass es vor den Multiplexen eine vielfältige und abwechslungsreiche Kinokultur gegeben hat, die durch die Einrichtung dieser Abspielzentren unwiederbringlich zerstört wird. Kinokultur spiegelt Filmkultur wider. Es handelt sich dabei um Filmausschnitte, Interviews, Fotos und großformatige Tafeln aus dem Archiv von Werkstattfilm zum Thema Kino und Kinogeschichte in Oldenburg aus dem Zeitraum von 1896 bis 2008 und umfasst u.a. ca. 4 Stunden Filmmaterial und 350 Fotos. Einige der präsentierten Interviews und Fotos wurden bisher noch nicht veröffentlicht.
Kino in Oldenburg - Ein virtuelle Reise von 1896 bis Heute
17 März 2009 - 30 April 2009
jeweils Dienstags von 10:00-12:00 Uhr und Donnerstags von 14:00-18:00 Uhr
Der Eintritt beträgt 3 €.
Für interessierte Schulklassen oder andere Bildungseinrichtungen bieten wir Extratermine an.
Telefonische Anmeldung bitte unter: 0441/12180 oder E-Mail: info@werkstattfilm.de
Unsere Mitarbeiter stehen während der Öffnungszeiten allen Interessierten für Auskünfte zur Verfügung.
Weitere Informationen:
www.werkstattfilm.de
www.fokus-oldenburg.de
Aktualisiert am 12. März 2009


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» 2 Kommentare
Klingt wirklich spannend, leider kann ich an den genannten Öffnungszeiten nicht. Wünsche aber viel Erfolg!
Was soll denn jetzt eigentlich aus dem Wallkino werden? Diese zu barrikardierte Wand ist absolut trostlos!
Mitarbeiter von Werkstattfilm e.V. als heimliche August Hinrichs-Fans oder gezielte Provokation von Xenophon?
Pobatschnig K.