Gedanken einer Studentin zum Oldenburger Bildungsstreik
Es ist ein sonniger Tag, der Himmel ist blau, ein paar Autos brummen vorüber, an einem Baum das Überbleibsel der Demo vom letzten Donnerstag, Aufschrift “Spaghetti Bologna 500 €”, hier und da ein paar StudentInnen, am Hörsaalgebäude A14 prangt noch immer der Banner “A14 Besetzt”, in der Tür ein Sarg mit der Aufschrift “R.I.P. Bildung”, in allen Fenstern weitere Plakate. Ja, wir sind noch immer da! Es ist Dienstag, Tag 12 der Besetzung. Die Demonstration am vergangenen Donnerstag war mit ca. 1700 friedlichen TeinehmerInnen ein voller Erfolg, viele Fakultäten unterstützen die Anliegen der streikenden Studierenden, die alternative Uni läuft weiter. “Echt krass, was die in der kurzen Zeit auf die Beine gekriegt haben”, meint ein vorbeischlendernder Junge mit blondem Haar. Tatsächlich kannte die Mehrzahl sich vorher kaum untereinander, zahlreiche Arbeitsgruppen wurden im wahrsten Sinne aus dem Boden gestampft und arbeiten emsig, um die Forderungen und Ziele für eine bessere und gerechtere Bildung zu verwirklichen – Tag und Nacht. Da fühlen sich Behauptungen wie “das ist doch eine einzige Saufparty”, “die sind nur zu faul zum Lernen” sowie auch die vagen Zugeständnisse einer gewissen Frau Shavan wie blanker Hohn an.
Im Foyer des Hörsaalgebäudes ist der Info-Tisch wie immer besetzt. Ein oder zwei StudentInnen sehen ein wenig aus wie müde Krieger, sie gähnen herzhaft. Kaffeetassen klimpern. Aus der Ferne hört man Klänge eines Dudelsacks.
Hinter den streikenden Studierenden liegen zahlreiche anstrengende Tage – und Plena. Was vor ihnen liegt, weiß niemand so genau. Das Präsidium hat sich bis dato nicht zu den Forderungen geäußert. Am heutigen Tag wurde eine Aufforderung eben dies zu tun an das Präsidium gegeben, für Donnerstag ist eine Vollversammlung aller Studierenden anberaumt. “Was, wenn die Donnerstag für eine Räumung stimmen? Das darf hier doch nicht alles umsonst gewesen sein”, sorgt sich ein Mädchen mit Brille. Im Moment heißt es daher abwarten, die Arbeit und die “alternative Uni” gehen weiter. Der Vorschlag der Organisation eines “Tages der offenen Besetzung” steht im Raum, für Freitag ist zudem ein Laternenumzug geplant.
Einige StudentInnen am Info-Tisch lächeln Neuankömmlinge fröhlich an, hinter ihnen zahlreiche Stellwände mit Zeitungsartikeln zum Bildungsstreik in Oldenburg, Solidaritätserklärungen und allgemeinen Informationen. Der Uni-Pförtner von A14 sitzt wie immer in seinem “Kabuff”. Jemand erzählt den neuen ‘running gag’: “Hab vorhin in A14 angerufen – war besetzt.” Über unser aller Köpfe fast prunkvoll in großen Lettern: “Widerstand ist was uns verbindet!”
- Und soeben erreicht uns die Mitteilung, dass das Präsidium heute Abend um 18:00 Uhr ins Plenum kommen wird -
Aktualisiert am 2. Dezember 2009

[Ø 4]

» Kommentieren
[Ø 4.3]