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Stimme de Luxe im Laboratorium

21.04.2010, Beitrag von Leuchtturmwaerter

Es ist nahezu unvermeidlich, bei seinem Namen nicht an das legendäre Taxi zu denken, das für ein kleines Rendezvous nach Paris gefahren ist. Nur für einen Tag. Damals in den 80er-Jahren war das, mehr als 20 Jahre ist das her. Als Gründer, Songschreiber und Sänger der Gruppe Felix de Luxe, die im ablaufenden Wasser der Neuen Deutsche Welle ihren Platz in den Hitparaden fand, war Michy Reincke verantwortlich für das “Taxi nach Paris”.Kaum zu glauben, dass der heute 50-Jährige nun schon seit 1989 auf Solopfaden wandelt, in schöner Regelmäßigkeit neue Tonträger veröffentlicht (aktuelle CD “Jetzt ist schön”) und durch die Lande tourt. Am 20. April war er – mal wieder – im Theater Laboratorium zu Gast, diesmal natürlich in der neuen Spielstätte.

Eigentlich wollte er ganz “naked” konzertieren, aber wegen einer “gemeinen Ein-Tages-Grippe”, die ihn am Vortag erwischt hatte, wurde er an der Akustikgitarre unterstützt von Jörn Heilbutt, einem Freund und langjährigen Weggefährten. Das Vorprogramm bestritt mit einem bunten Blumenstrauß zwischen melancholischem Chanson und augenzwinkerndem Jazz-Pop Anna Depenbusch. Eine hübsch anzusehende Künstlerin, die unwillkürlich die Assoziationen “zart” und “zerbrechlich” hervorruft (und die diese Attribute genau deswegen wahrscheinlich hasst), deren stimmliche Präsenz auf der Laboratoriumsbühne, nur von ihr selbst auf Synklavier begleitet, aber unerwartet wohltuend und ausdrucksstark war. Eine sanfte und eindringliche Brise für das Ohr und andere Sinne – so mein erster Eindruck. “Schön, singen kann se ja, aber nun gib ihr doch noch einen großen Teller Erbseneintopf mit viel Kartoffeln und Speck”, hätte wohl meine Großmutter gesagt (Achtung, das ist wirklich lieb gemeint!).

Dann übernahm Michy Reincke – zu Beginn noch leicht verunsichert, ob seine Stimme den Abend über durchhalten würde, legte der Hamburger schon bald seine Zurückhaltung ab und lieferte sein Set in guter handwerklicher Qualität ab (Für das Gitarrespielen hatte er ja Jörn Heilbutt dabei;-). Auch als Moderator und Geschichtenerzähler zwischen den Liedern weiß Michy Reincke zu überzeugen. Er unterhält sein Publikum wirklich - mit Charme und Selbstironie. Der Rest ist routiniertes Selbstbewusstsein.

Natürlich aber ist es die Stimme, die sein unverwechselbares Markenzeichen ist. Eine mit Wiedererkennungswert. Unter Tausenden. Zwischen dieser so substanziellen Traurigkeit im Klang und der doch stets positiven und fröhlichen Aufbruchstimmung mit allen “Ba-Da-Bam”- und “LaLaLa-Passagen” schlingert, wankt und treibt sie durch seine Lieder (”Nächte übers Eis”, “Niemand kommt so selten vor” aus den frühen Jahren, “Sie ist so”, “Die Straße durch dein Herz” vom aktuellen Album). Selten auf den Punkt, aber immer unverfälscht und mitten ins Schwarze.

Seine Texte? Kriegen fast immer gerade so haarscharf die Kurve. Erklärungen unnötig, wir sind ja nicht in Uelzen… Seine Melodien? Stellt ja wohl niemand ernsthaft in Frage, wenn ganze Samstagabendshows über Wochen und Monate mit belanglosestem Popgedudel ausgefüllt werden… Es ist diese Stimme, wegen der man ihm zuhört (und ein bisschen beneidet?)

Ich tue das, (beides?) seit über 20 Jahren. Und werde das gerne wieder tun. Es war ein wirklich schöner und gelungener Abend. Vielen Dank Herr Reincke! Ach ja, in der Zugabe fuhr das Taxi natürlich wieder nach Paris. Wohin auch sonst?!

Aktualisiert am 21. April 2010

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